Theorie U

Das Modell des U-Prozesses wurde von Otto Scharmer am MIT zuerst beschrieben. Es führt uns heraus aus dem vertrauten Muster, zu Problemen schnell eine Lösung präsentieren zu müssen. Vielmehr lädt er ein, den eigenen Verstehenshorizont zunächst deutlich zu erweitern, bevor es darum geht, das Neue „in die Welt zu bringen”. Die Grundfrage, die hinter dem Prozess steht, ist die: Wie gelingt es mir, den inneren Ort, aus dem ich handele, zu verändern? Dieses bedeutet auch zu fragen, wie ich alte Muster und Gewohnheiten hinter mir lassen kann, um mich mit meinem Handeln zu öffnen für das, was in die Welt kommen will.

Der Weg, der gegangen wird, gleicht einem U – beginnend oben links, in einer Abwärtsbewegung nach unten gehend, um dann wieder aufzusteigen. Am Bodenpunkt des U liegt der Moment des Ganz-gegenwärtig-Seins, dem „Presencing”.

Im Presencing nähern wir uns der Quellen unseres Handelns, dem Moment, an dem wir Altes aufgeben können und die Möglichkeiten der Zukunft zur Quelle unseres Handelns werden lassen. Dieser Prozess des „Loslassens” des Alten und des „Zulassens” des Neuen eröffnet uns den Zugang zu einer tieferen Quelle des Wissens.

Wenn Sie gerne mehr von diesem Ansatz erfassen möchten, empfehlen wir diesen Videobeitrag mit Otto Scharmer.

• Innehalten und Hinsehen
Damit Neues entstehen kann, braucht es die Neugier, über den eigenen Horizont hinauszublicken. Eine grundlegende Kompetenz hierfür ist das Zuhören. Anderen zuhören. Sich selbst zuhören. Und zuhören was sich aus der Gemeinschaft heraus entwickelt. Zum erfolgreichen Zuhören ist viel freier Raum notwendig, der es anderen ermöglicht sich zu beteiligen.

• Umwenden und Hinspüren
Sich auf die Sichtweisen und Vorstellungswelten anderer einzulassen, ohne gleich zu (be)urteilen, ist der Schlüssel um von einer Projektion zum wirklichen Wahrnehmen zu gelangen. Voraussetzung hierbei ist es, sein Herz für den anderen Menschen zu öffnen.

• Loslassen
Wenn der Geist und das Herz offen sind für neue Impulse, dann braucht es als dritte Komponente den offenen Willen. Der offene Wille ermöglicht uns, alles, was wir bislang für richtig hielten, loszulassen und uns zu öffnen für das, was entsteht. Dieser Öffnungsprozess ist nicht passiv, sondern eine aktive Haltung.

• Gegenwärtig-werden (Presencing)
Wer ist mein Selbst? Was ist meine Arbeit? – Uns mit der tiefsten Quelle unseres Seins und unseres Willens zu verbinden, erlaubt es der Zukunft aus dem Ganzen zu entstehen und nicht nur aus einem kleinen Teil oder einer speziellen Interessensgruppe. Dann können sich neue Möglichkeiten zeigen, die einen Weg in die Zukunft weisen.

• Kommenlassen (Crystalizing)
Aus dem, was sich zunächst nur als Idee zeigt, entstehen in einer Gruppe von Menschen erste konkrete Ideen, wie das in der Praxis aussehen könnte. Diese Dynamik wirkt als Attraktor und zieht andere Menschen und Mittel an.

• Hervorbringen (Prototyping)
Nachdem Ideen entstanden und Realisierungsmöglichkeiten ausgelotet sind, kommt es jetzt darauf an, erste kleine Pilotversuche im Sinne des neuen Handelns zu starten und das Lernen daraus miteinander zu verbinden.

• Handeln (Performing)
Erst nachdem diese Wege gegangen und Erfahrungen gesammelt wurden, gewinnt das Neue im großen Stil Realität.